Hommage à Beardsley
Objektbeschreibung
Das dem englischen Grafiker Aubrey Beardsley (1872–1898) gewidmete Gemälde entstand zu einer Zeit, als die Künstlerin bereits auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken konnte. Angeregt durch ihre Arbeit in den Kulturabteilungen des Berliner und des Frankfurter Amerika-Hauses, wo sie Kunstausstellungen vorbereitete und Begleitbroschüren erstellte, hatte Ursula Bluhm um 1950 mit dem Zeichnen und Malen begonnen, außerdem schrieb sie Geschichten zu ihren Bildern. 1954 erwarb Jean Dubuffet Werke von ihr für seine Collection de l’Art Brut. Aber: „Sie ist weder naiv, wie viele möchten, noch surrealistisch“, schrieb der Kunstkritiker Will Grohmann über die Autodidaktin, „sie schafft aus Punkten, kleinen Kreisen, Kringeln und Stricheleien eine Welt, die es nur bei ihr gibt und die doch ebenso glaubhaft ist wie eine indische Miniatur oder besser noch wie die Bilder Arcimboldis mit ihrer Magie des reinen Herzens.“ (Will Grohmann, Ursula, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.1964) Auch Beardsleys ornamental verspielten Bildern scheint sich Ursula – sie wählte den Vornamen als Künstlernamen nach ihrer Heirat mit dem Maler Bernard Schultze 1955 – verwandt gefühlt zu haben. Das Gemälde, das möglicherweise von einem Porträtfoto Beardsleys ausgeht, hing 1970–1974 im Inneren des „Ursula-Pelz-Haus“ (Märkisches Museum Witten), wenn sich die Künstlerin bei Ausstellungen dort inszenierte. 1976 kam es in die Neue Nationalgalerie als Geschenk zu Ehren des ausgeschiedenen Gründungsdirektors Werner Haftmann. | Dieter Scholz