Schwimmerin II
Objektbeschreibung
Der Entstehungsprozess der „Schwimmerin“ verdeutlicht Marcks’ stringente Arbeit am eigenen Werk. 1933 entwickelte er eine erste Version der lebensgroßen Figur (WVZ Rudloff 1977, 274), Modell stand ihm hierfür seine Tochter Brigitte (1916–2011); (vgl. das Werktagebuch „Gyps & Bronze 1919–1934“, Nr. 123, Archiv Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen). Als er den Gips 1938 im Atelier überarbeitete, glättete er insbesondere die Oberflächen zu einzelnen klar abgegrenzten Volumina. Damit verfolgte er die zunehmende Abkehr von einer individuell nach der Natur aufgefassten Form hin zur Darstellung einer möglichst allgemeingültigen „Urform“, unter zunehmender Geometrisierung der Einzelformen. 1952 arbeitete Marcks erneut am Gips der „Schwimmerin“. Dieses Mal stand seine Tochter Ute (1921–1993) Modell. Das Exemplar der Nationalgalerie zeigt nicht die 1938 veränderte Version mit Dutt (WVZ 354). Den nach Marcks’ Angaben 1940 durch die Berliner Gießerei Noack ausgeführten Guss hatte der Künstler an den Industriellen Felix Weise verkaufen können, mit dem er während seiner Lehrtätigkeit in Halle in engem Kontakt gestanden hatte. Weise unterstützte den Bildhauer nicht nur nach dessen Entlassung aus dem Lehramt in Halle 1933, sondern auch nachdem dessen Werk durch die Ausstellung „Entartete Kunst“ zunehmend geächtet und offizielle Verkäufe nach Beschlagnahmungen in der Berliner Galerie Karl Buchholz immer schwieriger wurden. 1933 deponierte Marcks bei Weise sogar 17 Kisten mit Plastiken von 1918 bis 1933, die 1945 jedoch von der Bevölkerung geplündert und zumeist vernichtet wurden. Die Bronze „Schwimmerin II“ überstand den Bildersturm und wurde 1964 von der Nationalgalerie (Ost) angekauft. | Yvette Deseyve