Häuser mit Blumenstrauß
Objektbeschreibung
Wir sehen ein für diesen Künstler ungewohnt freundliches Fensterbild in hellen, pastellfarbenen Tönen: eine geraffte Gardine rechts, frische Blumen vor einer intakten Häuserzeile in frischem Blau und wie auf so vielen von Heldts Bildern ein Kirchturm im Hintergrund. Das Blau umfängt auch die Blumen und den weiß gedeckten Tisch vorn. Welch ein Gegensatz zu dem Fensterausblick mit totem Vogel (WVZ Schmied/Seel 1976, 340) dessen erste Fassung noch während Heldts Kriegsgefangenschaft entstand! Der Kirchturm erinnert hier an den der Bethanienkirche auf dem Mirbachplatz in Berlin-Weißensee. Seit Anfang 1946 lebte Werner Heldt mit seinem älteren Bruder in der nahegelegenen Parkstraße, in der Mietwohnung seiner Mutter. Sie hatten den Krieg überlebt. Seine Bilder und Zeichnungen waren vor der Zerstörung des Atelierhauses Klosterstraße durch Freunde fast unversehrt aus dem Keller geborgen worden, und es gab bereits 1946 erste Ausstellungen seiner Werke. Für kurze Zeit waren Heldts Depressionen verschwunden und ein Neubeginn schien möglich. Sind die Fensterbilder in den vielfältigsten Variationen Ausdruck der jeweiligen persönlichen Situation und Verfassung, scheint hier eine hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung ausgedrückt. Schon Ende 1947, nach dem Tod der Mutter und dem Selbstmord der befreundeten Maria Blumenthal, war die kurze Hochphase vorüber. | Angelika Wesenberg