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Objektbeschreibung

Libudas großformatiges Gemälde „Die Schleuse“ zeigt eine nächtliche Szene mit mehreren Akteuren und simultanen Handlungen. Am linken Bildrand neigt eine Figur als immanenter Beobachter den Blick dem unübersichtlichen Bildgeschehen zu. Ein uniformierter Grenzwächter hält rechts eine ins Bild kommende, blau gekleidete männliche Figur auf. Einen Hinweis auf deren Bewegungsrichtung liefern die beiden Flaggen, die sie in Händen hält: In Schwarz, Rot und Gold leuchten sie vor dem Hintergrund in dunklen Blautönen. Im Mittelfeld der Komposition befinden sich fünf Leitern, die in verschiedenen Richtungen in die Höhe ragen. Eine davon wird von einem Bildprotagonisten gehalten, der seinen Blick auf den Grenzwärter richtet und nicht nur durch seine Größe und rote Kleidung hervorsticht. Er steht vor einem Spalt in hellem Violett und Grün, der sich im Hintergrund in der Dunkelheit auftut. Mit einem Bein steht die Figur auf dem Boden, mit dem anderen in einem Boot, in dem zusammengekrümmt eine nackte Person liegt. Die rechte Bootswand weckt dabei Assoziationen zur Grenzanlage zwischen Ost- und West-Berlin, der Mauer mit Rundrohr. Doch statt, wie im Bildtitel behauptet, „die“ Schleuse zu zeigen, thematisiert Libuda die Gleichzeitigkeit verschiedener (Un-)Möglichkeiten der Grenzüberschreitung, Fragen von Nation und (Ohn-)Macht. Die Themen Flucht und Ausreise hat Libuda nicht nur in diesem Werk verarbeitet. 1984/1985 entstand beispielsweise „Die Auswanderer“ (Museum Barberini, Potsdam). | Michaela Mai