Torso eines Gemarterten
Objektbeschreibung
Bereits Anfang der 1960er-Jahre hatte Balden eine erste Version vom „Torso eines Gemarterten“ (WVZ Hebecker/Hebecker 2004, 61-09) geschaffen. Die Symbolik des verletzten und verletzbaren Menschen – und seines Widerstandes gegen die Zerstörungsprozesse der Welt – hatte damals sicher auch etwas mit der angespannten politischen Situation und der durch den Mauerbau 1961 manifestierten Teilung Deutschlands zu tun. In der Fassung von 1972 hatte Balden seiner kleinformatigen Figur eine ruhigere Oberfläche gegeben. Sie zeigt einen am Boden liegenden Menschen. Der lang ausgestreckte Körper scheint sich vor Schmerz aufzubäumen, der Kopf ist vergleichsweise klein gehalten, die Aufmerksamkeit liegt auf dem körperlichen Schmerz. Es ist eine mit sparsamsten plastischen Mitteln gewonnene Sinngestalt des Leidens und der Vergänglichkeit, die gleichzeitig aber auch die Möglichkeit des Wiederaufstehens und Weiterlebens eröffnet, wobei das Fragmentarische den metaphorischen Gehalt der Skulptur hervorhebt. Spätestens in den 1970er-Jahren erhielt Balden mit seinem künstlerischen Werk in der DDR institutionelle Anerkennung. 1971 fand eine erste große Retrospektive in der Nationalgalerie (Ost) und im Museum der Bildenden Künste in Leipzig statt, ein Jahr zuvor war er zum Mitglied der Akademie der Künste der DDR berufen worden. Bereits 1967 war er erstmals mit Nationalpreis der DDR ausgezeichnet worden, 1975 und 1988 folgten weitere Ehrungen. | Maike Steinkamp