Die Angst der Welt
Objektbeschreibung
Anfang der 1920er-Jahre schuf Schütz-Wolff ihre ersten großformatigen Gobelins. Zuvor hatte sie eine Ausbildung an der halleschen Handwerkerschule (1915–1918) und an der Kunstgewerbeschule in München (1918–1920) absolviert. 1920 kehrte sie nach Halle/Saale zurück, wo sie für fünf Jahre die neu eingerichtete Textilklasse an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein übernahm. Ihre Bildteppiche orientieren sich in ihrer abstrahierenden Gegenständlichkeit, ihren klaren Linien und strengen Flächigkeit an der Formensprache des Expressionismus, wobei Schütz-Wolff diese explizit aus dem Umgang mit dem Material entwickelte. Die Themen ihrer Arbeiten sind der Mensch, oftmals die Mutter, und ihre Verbindung zu Tier und Natur. Schütz-Wolff war mit ihren Werken erfolgreich. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde es ruhiger um sie, fortan arbeitete sie vor allem für den kirchlichen Bereich. Aus Angst, ihren dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehenden Mann zu gefährden, vernichtete sie 13 ihrer frühen Teppiche. Nach Kriegsende knüpfte Schütz-Wolff motivisch und formal an ihr Arbeiten der 1920er-Jahre an, so auch in ihrem 1950 entstandenen Gobelin „Die Angst der Welt“. Auf dem 280 × 350 Zentimeter großen Bildteppich erheben sich aus den Tiefen der Weltkugel ein ineinander verschlungenes menschliches Paar, eine Katze und ein Pferd. Hinter ihnen erhebt sich eine Fahnenstange, an deren Spitze eine still schlummernde Frau schwebt. Es ist eine friedliche und zugleich beängstigende Situation. | Maike Steinkamp