Stillleben mit Silberkanne und Gurken
Objektbeschreibung
Im Jahr 1967 kaufte die Nationalgalerie (Ost) zwei Stillleben von Hassebrauk aus unterschiedlichen Werkphasen. Das „Große Stillleben mit Spitzendecke“ (1929, A IV 120) entstand am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn. Das „Stillleben mit Silberkanne und Gurken“ wirkt im Vergleich abstrakter und ist viel weniger detailliert. Malweise und Farbwahl lassen weder das Dessin der Tischdecke noch alle dargestellten Lebensmittel erkennen. Die Komposition aus einer silbernen Kanne, einer grünen Weinflasche, zwei Salatgurken und zwei weiteren Nahrungsmitteln auf weißen Tellern bleibt rätselhaft. Der braun-schwarze, mit groben Pinselstrichen aufgetragene Hintergrund verrät – insofern typisch für Stillleben – nichts über den Ort. Zur Zeit der Entstehung des Bildes dekretierte die Staatsführung der DDR den Sozialistischen Realismus als künstlerisches Leitbild. Formalismus und Abstraktion entsprachen damit nicht der offiziellen Linie. Dieses Gemälde zeigt, dass sich Hassebrauk diesem Druck nicht oder nicht immer gefügt hat. Die Sujetwahl lässt keinen Bezug auf den Aufbau der DDR oder spezifische sozialistische Themen erkennen. Der Künstler blieb seinem expressionistischen Stil der Vorkriegszeit trotz staatlicher Vorgaben treu. Dieses Gemälde wurde in der DDR weder ausgestellt noch publiziert, auch nicht nach seinem Erwerb durch die Nationalgalerie. | Emily Joyce Evans