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Frühbürgerliche Revolution in Deutschland


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Objektbeschreibung

Die Holztafeln mit einer Breite von insgesamt mehr als zwölf Metern bilden zusammen das „Modello“ des Bauernkriegsdenkmals in Bad Frankenhausen im Maßstab 1:10. Anfang der 1970er-Jahre war im Zentralkomitee der SED die Idee aufgekommen, ein monumentales Panorama zu errichten, um zur 450-Jahrfeier 1975 an die Schlacht der aufständischen Bauern unter Führung des Reformators Thomas Müntzer gegen hessisch-braunschweigische und sächsische Fürstenheere zu erinnern. Dem marxistischen Geschichtsverständnis entsprechend galt es, diesem Höhepunkt der „frühbürgerlichen Revolution“ ein Denkmal zu setzen, da sich hier, wenn auch vorerst vergebens, zum ersten Mal jenes Klassenverständnis geregt habe, dem die DDR als „Arbeiter- und Bauernstaat“ ihre Existenz verdankte. 1976 unterschrieb Tübke den Vertrag mit dem federführenden Ministerium für Kultur der DDR. Nur zwei Monate nach Eröffnung der Gedenkstätte im Jahr 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Prinzipiell ist das Riesengemälde nicht als illusionistischer Rundum-Schnappschuss des Schlachtgeschehens angelegt, wie es der ursprünglichen Idee eines Panoramas entsprechen würde. Stattdessen entfaltet Tübke ein symbolisches Welttheater, in dem die Schlacht von Bad Frankenhausen als Episode und Kristallisationspunkt in ein allgemein menschliches und insofern kosmisches Kreislaufdrama eingebettet ist. Die vom Staat intendierte revolutionäre Stoßkraft in Richtung eines triumphalen Höhe- und Erlösungspunktes in der Zukunft wird so grundsätzlich umgelenkt in eine reflexive Kreisbewegung existenzieller, unausweichlicher Tragik. | Oliver Seifert