Pflanze Nr. VIII
Objektbeschreibung
Von Kindheit an beschäftigte sich Bubenik mit Pflanzen. Nach einer Lehre als Gemüsegärtner studierte er von 1961 bis 1966 zunächst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Gerhard Gollwitzer, anschließend an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Wolf Hoffmann. Von dessen dekorativ vereinfachten Pflanzenbildern und Gartengrundrissen ausgehend, entwickelte Bubenik Mitte der 1960er-Jahre eine eigenständige Bildsprache. Diese basiert auf Schaubildern aus der Wissenschaft, deren Formen er variierte und frei weiterentwickelte. Leuchtende Lacke, auf metallische Oberflächen gespritzt, wurden ebenso zum Markenzeichen Bubeniks wie spiegelsymmetrische Bildkompositionen aus organisch gerundeten Formen und kräftige Farbflächen mit oder ohne Modulation. Das achte Bild der 1966 begonnenen Pflanzenserie geht auf Querschnitte von Bedecktsamern zurück. Unten umfängt ein blauer Kelch rote Staubfäden und den grünen Stempel mit roter Eizelle in der Samenanlage. Oben wölben sich grüne Kelchblätter über einem rosa Fruchtknoten, der von Kronenblättern umgeben wird. In der Mitte die Narbe zum Auffangen von Pollen. Die üppig schwellenden Formen lassen menschliche Geschlechtsorgane assoziieren, wobei die schwarze Narbe wie ein Pluszeichen wirkt. Ähnlich wie bei Georgia O’Keefe fünfzig Jahre zuvor sind auch bei Bubenik Pflanzlichkeit und Sexualität eng miteinander verbunden, nun jedoch nicht mehr von der unmittelbar sinnlichen Anschauung ausgehend, sondern vermittelt durch analytisches Lehrmaterial zur Botanik. | Dieter Scholz