Kopf Karl Hofer
Objektbeschreibung
Das Porträt Karl Hofers (1878–1955), eines deutschen Malers der Klassischen Moderne, von dem die Nationalgalerie zahlreiche Werke besitzt, hat nicht nur große Ähnlichkeit mit dem Dargestellten, sondern erinnert zugleich an morbide Figuren in dessen Gemälden wie in „Die schwarzen Zimmer (II. Fassung)“ (B 2) von 1943. Die eingefallenen Wangen lassen die Knochen spitz hervortreten, die physiognomischen Proportionen sind verschoben, und die Augen treten wie kleine Knöpfe hervor. All das hinterlässt ein unbehagliches Gefühl beim Betrachten. Unterhalb des Kopfes deutet die stumpfe, schiefliegende Fortsetzung den Hals nur gerade so an, negiert aber trotz des Volumens jede Körperlichkeit. Der Kopf ist wie abgetrennt. Mit großer Intensität porträtierte der Heiliger den damaligen Direktor der Hochschule für bildende Künste in West-Berlin, an die er kurz zuvor (1949) als Professor berufen worden war. Dafür wechselte er von der Hochschule für Angewandte Kunst in Weißensee, Ost-Berlin, in den Westen. Seine Porträtköpfe allgemein und dieser insbesondere erfreuten sich äußerster Beliebtheit. Für den „Kopf Karl Hofer“ erhielt er 1952 den Kunstpreis der Stadt Köln. Diese erfolgreiche Porträtphase ging mit dem Beginn der 1960er-Jahre zu Ende, als sich Heiliger zunehmend rein abstrakten Werken widmete. | Anja Pawel