Gärtnerei
Objektbeschreibung
Die „Gärtnerei“ entstand 1931, während Müller-Linows letztem Studienjahr an der Staatlichen Kunstschule in Berlin. Im selben Jahr zeigte der junge Maler bereits seine Werke auf der „Juryfreien Kunstschau“ und in der Preußischen Akademie der Künste, worauf erste Ankäufe folgten. Das Gemälde gelangte ein Jahr nach seiner Fertigstellung durch Überweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in die Sammlung der Nationalgalerie. Müller-Linow hatte um 1929 damit begonnen, Motive aus seinem unmittelbaren Berliner Umfeld zu malen. Es sind Bilder von wenig belebten, friedlich daliegenden Straßen, Parks, Höfen und Schrebergärten, in die sich auch jenes Gemälde der Gärtnerei in Berlin-Pankow einreiht. In hellen, lichten Farben und einer freizügigen, pastosen Malweise hat der Künstler die flirrende sommerliche Atmosphäre wiedergegeben, wobei der Einfluss des französischen Impressionismus erkennbar wird. Durch Beete und ein Gewächshaus im unteren Bildbereich als Gärtnerei ausgewiesen liegen zwei Häuser, von hochstehenden Bäumen umgeben, im Bildzentrum. Die einzige dargestellte Person ist eine Gärtnerin mit Gießkanne, die sich farblich harmonisch in die Umgebung einfügt. Julius Meier-Graefe schrieb 1931 in der „Frankfurter Zeitung“, Müller-Linow betreibe eine Malerei, die „der Empfindung wieder freien Lauf“ gebe, und konstatierte: „Die Lyrik, die man ausgerottet glaubte, dringt wieder vor“ (zit. nach Hans-Jürgen Imiela, Bruno Müller-Linow. Aquarelle und Zeichnungen, Darmstadt 1972, S. 10). | Irina Hiebert Grun