Große Neeberger Figur
Objektbeschreibung
Die überlebensgroße „Große Neeberger Figur“ ist nach dem Ort benannt, wo Förster die Idee für die Skulptur hatte: „Drei betäubend stille, heiße Sommertage lag ich auf einer Sandnarbe im Schilf, bei Neeberg, am Bodden. Aus glattem, wellenlosem Wasser stiegen sanfte Wiesenhügel, die zum Dorfe hin von Erlen und Wildrosen bewachsen waren. Mit der Schärfe eines Traumbildes sah ich, sobald die Hügel mir ins Blickfeld traten, eine hochragende, zwischen Erde und Himmel gespannte Skulptur stehen: als ungebrochene Grade, die lediglich in Kopfhöhe einen horizontalen Gewandakzent besaß, der einem faserigen Wolkenzug glich. Die Vorstellung war so nachhaltig, daß sie sich in der Großen Neeberger Figur niederschlug.“ (Förster, Einblicke. Aufzeichnungen und Gespräche, Berlin [Ost] 1985, S. 18) Kurz nach ihrer Fertigstellung in der DDR von vielen Seiten als formalistisch und pornografisch kritisiert, wird die Figur heute zu Försters Hauptwerken gezählt. Die ungewöhnlichen Kurven der weiblichen Figur sind nicht konventionell erotisch konnotiert. Die Arme und Beine wirken übertrieben lang, dafür ist die Taille überaus schmal, und die breiten Hüften stechen heraus. Ein Kleidungsstück, das das Gesicht verdeckt, reicht bis zu den Rundungen der Brüste. Die Körperhaltung suggeriert den Moment, in dem das Oberteil hinuntergezogen werden müsste, um das Gesicht wieder freizugeben. Doch Förster geht es nicht um das Ankleiden, sondern um eine Form, die keine spezifische Interpretation nahelegt. In dem ursprünglichen Traumbild war die Figur so groß, dass der Kopf sich in den Wolken befand. Mit dem „Gewand“ vor dem Gesicht ist sie anonym, auch gefangen, weil ihre Bewegungsfreiheit und ihre Sicht eingeschränkt sind. | Emily Joyce Evans