Der Wald
Objektbeschreibung
In bescheidenen Verhältnissen in Göttingen aufgewachsen, begann Cimiotti ab 1949 ein Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Karl Hils und Otto Baum. Ab 1957 gestaltete er kleinformatige Bronzen, deren feingliedrige, abstrahierende Strukturen sich in konvex-konkaven Formen rhythmisch aufbauen. Während eines neunmonatigen Aufenthalts in der Villa Massimo in Rom 1959 konzentrierte Cimiotti sich auf das Thema Landschaft. „Es sind Gebilde – prall, diesseitig, erdhaft – und zugleich bloße Haut, unterhöhlt, vorgegaukelt.“ (Notizen des Künstlers, Rom 1959, in: Ursula Schönewald, Emil Cimiotti. Plastiken und Zeichnungen, Hamburg 1996, S. 11) Dieses Spiel mit der Wirklichkeit betont der Bildhauer auch in der Bronze „Der Wald“. Die Oberfläche, die das Volumen der Plastik bildet, ist durchlöchert und gibt Blicke in das hohle Innere frei. Über eine gleichmäßig gearbeitete, gewölbte Bodenfläche ist eine Form gesetzt, die in dichtem Verbund nach innen und außen zu wogen scheint und in dieser Bewegung an Laubwerk im Waldes erinnert. Ermöglicht wurde die gestisch-direkte Arbeitsweise Cimiottis durch das Wachsausschmelzverfahren, das er ab 1955 einsetzte. Die Modellierung mit Wachs erlaubt größtmögliche Spontanität im Arbeitsprozess, sodass sich bis zur Herstellung des Negativs Veränderungen vornehmen lassen. Diese Unmittelbarkeit der Formfindung und die Betonung der Materialität verbinden Cimiotti mit den Grundideen des Informel. | Julia Hosp