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Fischerkiez und Molkenmarkt


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Objektbeschreibung

1908 geboren und früh dem Kommunismus zugetan, könnte Dähn zur „verschollenen Generation“ (Rainer Zimmermann) zählen, die von den Nazis ihrer kreativen Entfaltungsmöglichkeiten beraubt wurde und sich und nach Kriegsende schwertat, künstlerisch Fuß zu fassen. Doch der Heilbronner siedelte in die DDR über und machte im Kulturministerium, als Kunstprofessor und Hochschulrektor Karriere. Die Ämterfülle blockierte den Künstler, der lange kaum zum Malen kam und daher nur eine überschaubare die Anzahl an Werken in öffentlichen Sammlungen hinterließ. Hat man hier den Funktionär eines konformen Kunstsystems vor sich, dessen Bildsprache heute obsolet ist? Das Œuvre spricht dagegen: Über das Gebot des Sozialistischen Realismus wie auch das Verbot abstrakter Malerei setzte er sich hinweg. Sein Stil verbindet expressive Abbildung der Wirklichkeit und farbintensive Abstraktion, die beide schon zum Werkzeugkasten der Expressionisten gehörten und bei Dähn variantenreich daherkommen. So malte er zwei Ansichten vom Molkenmarkt in Ost-Berlin: Eine in dicken Farbschichten, ähnlich wie „Pfingsten in Ahrenshoop“, und diese im Bestand der Nationalgalerie – ebenso bunt, die leuchtenden Farben aber sparsamer mit der Kante des Spachtels fast als cézanneeske Stadtlandschaft ausgearbeitet, die Architektur und Natur in Grundformen, Linien und Flächen angedeutet. Man sieht Stadthaus und Rotes Rathaus, den Schornstein eines Kraftwerks, Dom, Mühlendammschleuse und Nikolaikirche, doch die Perspektive ist frei und die Proportionen sind nicht streng naturalistisch. | Sven Haase