Die Schmiede des Vulkan
Objektbeschreibung
Ein schmales Hochformat, angefüllt mit dem für Arno Mitte der 1950er-Jahre typischen Arsenal von kantigen und gebogen-kurvigen Formen. Diese türmen sich auf monochromen Farbgründen in- und übereinander. Der Titel jedoch verleiht dem ungegenständlichen Gemenge eine Bedeutung. Vulkan ist in der römischen Mythologie der Gott des Feuers, zu dessen Aufgaben es gehört, in seiner Schmiede Bronzeschmuck, Gerätschaften oder Waffen herzustellen, beispielsweise Donnerkeile für die oberste Gottheit Jupiter. In Arnos Darstellung könnte das intensive Dunkelrot mit dem der Eisenglut während des Schmiedevorgangs assoziiert werden. Die vertikale Stufung geheimnisvoller maschinenartiger Elemente erinnert an die Zylinder, Trichter, Röhren und Schornsteine auf Max Ernsts 1920 gefertigter Dada-Collage „Die durch Temperatur zu tötende hydrometrische Vorführung“ (Werner Spies, Max Ernst. Collagen. Inventar und Widerspruch, Köln, 3. Auflage 1988, Farbtaf. 35 [3]. Es könnte aber auch als Vorwegnahme von Arnos Weg als Künstler gedeutet werden, denn er widmete sich zunehmend der Skulptur und richtete sich schließlich eine Bildhauerwerkstatt in Seeth-Ekholt bei Elmshorn ein. Beim Anblick „der in vielen Stockwerken aufgetürmten, -zig Tonnen schweren Maschinen“ mit ihrem „Lärm und Kreischen und Funkenstieben“, so schrieb ein Besucher, „konnte man an den göttlichen Schmied“ denken, „an Vulkanos“ (Peter Reindl, Ein Bildhauer unterwirft den Stahl seinem Gestaltungswillen, in: Walter Arno. Bildhauer, Maler, Grafiker, Ausst.-Kat., Elmshorn, 2006, S. 11). | Dieter Scholz