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Objektbeschreibung

Rainer entwickelte in den 1950er-Jahren seine charakteristischen Übermalungen, die ihn international bekannt machten. Zunächst übermalte er eigene Gemälde, später auch Werke anderer Künstler*innen. Diese zerstörerische Schöpfungsform, die sich, wie er sagte, „aus der Anhäufung von 20.000 Durchstreichungsgesten“ ergab, verstand Rainer als einen Akt der Vervollkommnung. Durch das Überdecken vermeintlich schwacher Stellen strebte er danach, das Kunstwerk zu einer höheren Ausdrucksform zu führen. Gleichzeitig sah er damit den Endpunkt der Tafelmalerei erreicht. Die Schritte, die ihn zu dieser Form führten, beschrieb er 1969 folgendermaßen: „1949 entdeckte ich für mich die Anfüllung, 1950 die Überfülle, 1951 die Zerkleinerung und permanente Überarbeitung, 1954 die Übermalung. Die ewige Empfindung des Fragmentarischen, Halben, Unfertigen, die ich gegenüber meiner Arbeit habe, war der Motor für alle meine neuen Schritte.“ (Rainer, in: Arnulf Rainer. „Aller Anfang ist schwer“, Ausst.-Kat. Arnulf Rainer Museum, Baden bei Wien 2009, S. 28). Zu den frühen Übermalungen zählt das Werk „Sturz“. Die Bildfläche ist von einem intensiven Rot bedeckt, die ursprüngliche Zeichnung ist nur noch schemenhaft durch das dichte Geflecht einander überlagernder Linien erkennbar. Die Verwendung einer Farbe in diesem dicht strukturierten, abstrakten Werk steht im Kontrast zu den häufig schwarzen Übermalungen dieser Schaffensphase. Auffällig sind zahlreiche, bewusst belassene Flecken und Fingerabdrücke, die auf den dynamischen, meist affektgetriebenen Malprozess verweisen. | Catherine Nichols