Im Fenster
Objektbeschreibung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Fenster zu einem zentralen Motiv Meybodens. Auch die dunklen Konturen, die der Künstler bei „Im Fenster“ verwendete, sind typisch für ihn. Diese Darstellung ist mehrfach fragmentiert und die Perspektive ist zum Teil abgeflacht, sodass Vorder- und Hintergrund sich vermischen. Das Fenster ist durch weiße Leisten in acht Segmente gegliedert, in denen sich die Welt im Inneren des Hauses spiegelt. Der Künstler steht mit Blatt und Stift vor dem Fenster wie vor einer Leinwand, im Raum hinter ihm spielt eine Frau Querflöte. Die Gegenstände im Zimmer verteilen sich in dieser Spiegelung, changieren aber zugleich mit Blicken in die Außenwelt, wie den hellen Fenstern anderer Häuser und Hauswände in verschiedenen, meist dunklen Tönen. Die Kleidung der Frau und die Fassaden sind im fast identischen Farbton gemalt, und die kleine Obstschale auf der Fensterbank im Vordergrund steht im Bild direkt neben Blau- und Gelbflächen jenseits des Innenraums. Die Ambiguität dieser Szene überträgt sich auf das Selbstporträt des Malers: Eine Hälfte liegt im Schatten, während das Auge der anderen, hell beleuchteten Hälfte direkt nach vorne blickt. Das Bild hat etwas Introvertiertes, Unsicheres. Im Jahr 1955 erhielt Meyboden den ersten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen (heute Pauli-Preis). | Emily Joyce Evans