Logo

Berliner Stadtbild

1950 erworben durch das Land Berlin

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

1929 geriet Heldt nach dem Unfalltod der Freundin Lo in eine lang andauernde Depression. Seiner düsteren Stimmungslage gab er im September des Jahres in einem seiner Texte, der Skizze „Am Fenster“, Ausdruck: „Ein Mann steht am Fenster und sieht auf die Straße hinaus. Es ist ein grauer Tag und die Straße ist leer. Kalt und leer ist das Herz des Mannes und dunkel wie eine Gruft. […] Schon fällt die Dämmerung in das Zimmer und der spitze Kirchturm hinter den Dächern starrt immer drohender in den violett gewordenen Himmel. […] Du unglücklicher Mann! Was hast Du getan! Du selber hast Dein Glück gemordet! Auch in Deinem Leben sollte es Lichterglanz und hochgemute Musik geben“ (zit. nach Werner Heldt, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft, Hannover, 1968, S. 30). Das gerahmte Medaillon des Knaben auf der Fensterbank vor dem Blumengitter im „Berliner Stadtbild“ erscheint in diesem Zusammenhang wie eine Erinnerung an die verlorene Jugend. Auch auf anderen Werken jener Zeit, etwa dem Gemälde „Frühlingssturm in Berlin I“ (NG 15/72) oder der Zeichnung „Landstraße“ von 1929 (WVZ Schmied/Seel 1976, 130), sieht man einen Jungen in kurzen Hosen. Bei späteren der zahlreichen Fensterbilder Heldts, von denen das vorliegende eines der ersten ist, befinden sich zunehmend größere Dinge vor dem Kind: ein Totenkopf, Mandolinen, unförmige Gebilde, die die Abgeschiedenheit betonen und den Ausblick in die geliebte Stadt versperren. Für die gemalten vorderen Mauerflächen auf dieser reich gestaffelten, vielfarbigen Darstellung verwendete Heldt poröses Material, vielleicht Sand. Er verfügte inzwischen über ein sicheres malerisches und kompositorisches Können. | Angelika Wesenberg