Geschwister
Objektbeschreibung
Im Jahr 1928 schuf Roeder die Kunststeinbüste eines Geschwisterpaares. Innig umarmt der Bruder seine Schwester, die unter ihm in seinen Armen liegt, den gesenkten Kopf an ihr Gesicht gelehnt. Die Köpfe und Oberkörper der beiden sind stilisiert und mit wenigen markanten Zügen modelliert, wobei die Arbeitsspuren deutlich hervortreten. Roeder schuf mit ihrer Büste kein Porträt, vielmehr ging es ihr darum, einen vertrauten, intimen Moment voller Schmerz oder innerer Verbundenheit wiederzugeben. Es sind solche Gemütszustände und seelischen Befindlichkeiten, die zeit ihres Lebens eine zentrale Rolle im Werk der Künstlerin spielten. In „Geschwister“ hat sie die kantigen, kubischen Formen, die die Arbeiten der Bildhauerin noch Anfang der 1920er-Jahre bestimmt hatten (vgl. „Stute und Fohlen“, B I 595), zurückgenommen. Seit Mitte der 1920er-Jahre näherte sie sich immer mehr dem Naturvorbild, an dessen Verdichtung und Konzentration sie bis an ihr Lebensende arbeiten sollte. Wie Alfred Kuhn bereits 1921 in seiner Monografie über die sie angemerkt hatte, erhebt die Kunst Roeders, geschult an der Natur, „das Individuelle zum Allgemeinen, zum Typischen, aus dem Zufälligen wird das Notwendige, aus dem Momentanen das Dauernde“ (Alfred Kuhn, Emy Roeder, Leipzig 1921, S. 10). | Maike Steinkamp