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Objektbeschreibung

Die dargestellte Gliederpuppe gehörte zur Ausstattung von Lachnits Atelier in der Dresdner Akademie, wie ein Foto von 1948 belegt. Hier zeigt er die Puppe in Angriffshaltung, mit lauerndem Blick und gestikulierenden Händen in weißen Handschuhen, an einem auffällig kahl wirkenden Tischende. Das angesprochene Gegenüber sieht man nicht, doch ist es über das aufgeschlagene Buch, durch Apfel, Flasche und Tasse, das drapierte Tischtuch in warmen Farben als aufgeschlossen und lebensvoll charakterisiert. Lachnit wie auch seine Kollegen sahen 1948 die künstlerische Lehre an der Akademie bedroht. Das Direktorenamt ging von dem erkrankten Hans Grundig an den Architekten Mart Stam über, welcher strukturelle Veränderungen vorsah. Bald auch wurde öffentlich am Beispiel Lachnits der „Formalismus“ in der bildenden Kunst angeklagt. Mit der Gliederpuppe als Agitator, unpersönlich und automatenhaft kommunizierend, fand Lachnit eine Symbolfigur für die erneuten Bedrängnisse des künstlerischen Schaffens, Kunst und Politik waren wiederum in Konflikt geraten. Er bereitete das Bild mit zahlreichen Kohle- und Aquarellzeichnungen vor, stellte darin die Gliederpuppe unterschiedlich drapiert und in verschiedenen Positionen, allein oder in einer Gruppe dar, bis er sie in dem Gemälde endlich bildbestimmend vor die leere Wandfläche setzte: Das Objekt erscheint nun als bedrohliches Subjekt, die ursprünglich Hilfskonstruktion einer Puppe hat sich als Apparatschik verselbstständigt. | Angelika Wesenberg