Liegender Akt
Objektbeschreibung
Auf einer mondbeschienen Waldlichtung ruht ein weiblicher liegender Akt. Der nackte Körper der friedlich auf einem roten Umhang schlafenden Frau füllt den Bildvordergrund nahezu vollständig aus und ist den Betrachter:innen schutzlos zugewandt. Im Hintergrund der ausgeglichenen Komposition galoppieren, ebenfalls vom Mond beleuchtet, zwei weiße Pferde. Angesichts der politischen Umstände und der persönlichen Situation, in der sich Grundig zur Entstehungszeit des Werkes befand, verwundert das scheinbar harmlose Bildthema. Doch werden angesichts des Gemäldes Analogien zu der im selben Jahr, 1938, vollendeten Predella „Die Schlafende“ (Galerie Neue Meister, Dresden) wach, die sich unter dem zwischen 1935 und 1938 geschaffenen Triptychon „Das tausendjährige Reich“ befindet. In diesem monumentalen Werk kommt der „Schlafenden“ eine geradezu heilsbringende Funktion zu, steht sie dort doch vor allem für die Hoffnung, dass nach dem Untergang des nationalsozialistischen Regimes ein Neuanfang (eine Auferstehung) möglich sei – eine Interpretation, die sich durchaus auf den „Liegenden Akt“ übertragen lässt. | Maike Steinkamp