Großer Kopf
Objektbeschreibung
Das Gesicht in Marwans Gemälde ist oben und unten angeschnitten. Das Porträt im auf die Landschaftsmalerei bezugnehmenden Querformat füllt die Bildfläche fast vollständig aus. Es sind darin weitere Gesichter zu erkennen, die sich gleichermaßen zwischen Porträt und Landschaft, zwischen Abstraktion und Figuration bewegen. Ab den 1970er-Jahren, nachdem sich Marwan intensiv mit dem französischen Impressionismus, dem deutschen Informel, dem amerikanischen abstrakten Expressionismus und dem französischen Tachismus auseinandergesetzt hatte, wurde das vielfach fragmentierte menschliche Antlitz zu seinem Hauptmotiv und -thema. Beinahe obsessiv malte er seine oftmals riesigen Gesichter – mal schnell, mal langsam und immer mit heftigen Pinselstrichen, dick aufgetragenen Farben und mehreren, nur noch bedingt unterscheidbaren Bildschichten. Viele der späteren Gesichter von Marwan sind erheblich abstrakter als dieses Beispiel von 1975. Er selbst sah seine Motive eher als Köpfe denn als Gesichter. Für ihn war der Kopf eines Menschen weniger das Abbild einer identifizierbaren Persönlichkeit als vielmehr eine Hülle, deren Form und Fläche ihn faszinierten. Seine Bilder offenbaren eine existenzielle Tiefe insofern sie das Individuum nicht nur als physische, sondern auch als emotionale Landschaft begreifen. Heute zählt Marwan zu den weltweit renommiertesten Malern der arabischen Moderne, doch es dauerte viele Jahre, bis er nach seiner Übersiedlung nach West-Berlin 1957 überhaupt Anerkennung erfuhr. | Catherine Nichols