Polis
Objektbeschreibung
Das altgriechische „Polis“ bedeutet „Stadt“ oder „Staat“ und beschreibt einen Verband von Menschen. Avramidis nahm diesen Begriff immer wieder als Werktitel. Die menschliche Figur ist der Grundbaustein seines Schaffens und tritt in vereinfachter Form mal allein, mal als Gruppe auf. „Das konventionelle, allgemein gültige Modell: zwei Beine, Rumpf, Hals, Kopf, zwei Arme. Mein Modell: einachsige Konstruktion. Kopf, Hals, Rumpf, Bein […]“ (Joannis Avramidis: Antworten, in: Ausst.-Kat. Hannover, 1966, S. 82). In „Polis“ bilden viele solcher „einachsigen“ Figuren eine Einheit, die Gestalt der Körper ist nur angedeutet. Der Mensch wird auf seine Grundform reduziert und diese erlangt so Allgemeingültigkeit. Die Figuren sind nicht identisch, doch ihre deutliche Zusammengehörigkeit gleicht die Unterschiede aus. Entindividualisierte Avramidis die Dargestellten, so stellte er auch die eigene Biografie nie in den Vordergrund. Antike und Frührenaissance waren seine künstlerischen Bezugspunkte: „Ich bin ein Hellene“ (ebd.). In einer griechischen Familie in Batumi (heute Georgien) geboren, verlor er 1937 während der Verfolgungen unter Stalin seinen Vater, der Rest der Familie zog nach Athen. Von hier aus wurde Avramidis 1943 zur Zwangsarbeit nach Wien verbracht, wo er nach dem Krieg blieb. Später erhielt er in Österreich viele Auszeichnungen für sein Werk. | Emily Joyce Evans