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Objektbeschreibung

Nachdem Psyche von Amor, ihrem Geliebten, verlassen wurde, weil sie ihn in ihrer Wissbegier erkennen wollte und dabei versehentlich mit heißem Öl aus ihrer Lampe aufgeschreckt hatte, beklagt sie ihre frevelhaft-leichtsinnige Neugier, ihre Fahrlässigkeit und die Folgen: Einsamkeit und den Liebesentzug. Um auf durchaus erzählerische Weise den Schmerz der Verlassenen noch zu unterstreichen, gesellt Begas ihr Pan bei, einen hier ausnahmsweise väterlich tröstenden Naturgott, der doch sonst eher mit seinem derben, wilden Naturell den sprichwörtlich panischen Schrecken verbreitet. Ganz entgegen seiner sinnlich-drängenden Natur, die durch die fürsorgliche Aufgabe gleichsam gebändigt ist, versucht Pan also einmal nicht, sich seines weiblichen Gegenübers erotisch zu bemächtigen, sondern er unternimmt es, besänftigenden Seelentrost zu spenden. Das geschieht in weniger aufdringlicher als vielmehr behutsamer Weise. So sitzen sich der kraftstrotzende Pan und die in sich gesunkene Psyche gegenüber, sie tränenwischend, er etwas hilflos gestikulierend. Diese Auffassung des Motivs gab Begas die Möglichkeit, mehrere Kontraste auszuloten: weiblich-männlich, zart-derb, jugendlich-alt. Die Gruppe basiert auf archäologisch-kunstgeschichtlichen Vorläufern: Eine antike Marmorgruppe »Pan und Daphnis« im Museo Nazionale in Rom (ehemals Sammlung des Kardinals Ludovisi), wo Pan, das Panflötenspiel lehrend, neben einem Jüngling sitzt, liegt der Schöpfung zugrunde und wirkte noch direkter in Begas’ etwa zeitgleicher Gruppe »Pan als Musiklehrer« nach. Doch auch Bertel Thorvaldsens klassizistische Komposition Pan lehrt einen jungen Faun das Spiel der Syrinx (Thorvaldsens Museum, Kopenhagen) trägt diese polarisierende Komposition und Auffassung in die Neuzeit herüber. Diese Gruppe wurde bald zum exemplarischen Beleg dafür, dass Begas’ Schöpfungen oft einen latenten Humor transportieren, wie ihn die klassizistischen Künstler nicht kannten. Hierin ist er wohl Arnold Böcklin verpfichtet, dem er während seines Romaufenthalts freundschaftlich und künstlerisch nahestand und der seinerseits zuweilen die antike Mythologie pikant persiflierte. Mit dieser Gruppe gelang Begas um 1860 der künstlerische Durchbruch. In jenem Jahr zeigte er das Gipsmodell in Brüssel, wo es – als einziges Werk eines deutschen Künstlers – sogleich für die Königlichen Museen (Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique) angekauft wurde, etliche Jahre bevor ein deutsches Museum einen Ankauf tätigte. | Bernhard Maaz