Bildnis des Kunsthändlers Alfred Flechtheim
Objektbeschreibung
Das Porträt wurde ab 1923 zum Hauptgegenstand von Dix. Zu den Bildnissen von Sammlern gehört jenes von Alfred Flechtheim (1878–1937), einem der prägendsten, im Kunstbetrieb polarisierenden Galeristen der 1920er-Jahre. Zunächst in Düsseldorf ansässig, eröffnete der jüdische Kunsthändler ab 1921 Standorte in Berlin, Frankfurt am Main, Köln und Wien. Anfangs hielt er wenig von Dix, doch 1924 sah er in ihm den Nachfolger des „Malerfürsten“ Franz von Stuck. Die Arbeit an seinem Flechtheim-Porträt begann Dix im Juli 1926. Er hat den Händler lebensgroß in seinem Verkaufsraum dargestellt. Nase und Ohren wirken übergroß, die krallenartigen Hände scheinen ein kubistisches Stillleben im Stil von Georges Braque und eine Aktzeichnung, die an Pablo Picasso denken lässt, in Besitz zu nehmen. Ein weiteres kubistisches Stillleben im Hintergrund, dieses Mal à la Juan Gris, auf das Dix sein altmeisterliches Monogramm gesetzt hat, verdeutlicht vollends, dass Flechtheims Engagement der französischen Moderne galt (er vertrat aber auch Künstler wie George Grosz, Renée Sintenis oder Max Liebermann). Diese drei Aspekte – klischeehaft jüdische Physiognomie, Einsatz für französische Kunst und Gier – sind antisemitische Topoi, derer sich später auch das nationalsozialistische Regime in seinen Angriffen auf Flechtheim bedienen sollte. An den Kunsthistoriker Fritz Löffler schrieb Dix am 26. Oktober 1949, dass Wolfgang Balzer, Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Bild in einer Ausstellung nicht präsentieren könne, „weil die Leute sagen, es wäre antisemitische Propaganda“ (Otto Dix, Briefe, Köln 2013, S. 554). | Sven Beckstette