Femme assise dans un fauteuil
Objektbeschreibung
Ein Vergleich mit einem kleinen „Frauenkopf“ (B 25) belegt schnell, dass Picasso dort genauso wie in den vielen anderen Porträts aus dem Frühjahr 1909 noch an einer einheitlichen Betrachtungsperspektive und an der Trennung von Körper und Hintergrund festhielt. Die vorliegende zeitgleich entstandene Ansicht einer Frau, deren Haltung Picassos Porträt von Gertrude Stein im Sessel (1905/1906; Metropolitan Museum of Art, New York) zu spiegeln scheint, weist hingegen deutliche Merkmale der späteren kubistischen Bilder auf. Der Schädel der Dargestellten ist nach oben in die Länge gezogen. Die linke Hälfte ihres facettierten Gesichts wirkt wie nach hinten weggeklappt, und obwohl die Konturen ihres Oberkörpers noch durchgängig umrissen sind, kommen auf der linken und unteren Bildhälfte bereits erste, von einer Reduzierung und Vereinheitlichung der Farbpalette getragene Zuordnungsschwierigkeiten auf, die wenige Monate später sämtliche Bilder von Picasso und Georges Braque kennzeichnen sollten. Wo hört der Sessel auf, wo sind die Beine, und was ist der Hintergrund? Gehören die kleinen dunklen Wellen links des Oberarms noch zur Haarpracht? Picasso war mit der in diesem Bild eingeschlagenen Richtung anscheinend so zufrieden, dass er davon eine Postkarte produzieren ließ, die er am 23. März 1909 an seine Freunde und hauptsächlichen Sammler Leo und Gertrude Stein mit den stolzen Worten „Freundschaftliche Grüße vom Urheber“ schickte (Picasso and Braque. Pioneering Cubism, Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York, 1989, Abb. S. 359). | Gabriel Montua