Bildnis des Malers Oskar Trepte
Objektbeschreibung
Künstler und Modell studierten ab Oktober 1913 zeitgleich an der Kunstakademie in Dresden, an der Kretzschmar seit 1911 eingeschrieben war. Von 1914 bis 1917 war er dort Meisterschüler bei Carl Bantzer, nach dem Ersten Weltkrieg ein weiteres Jahr bei Robert Sterl. Die lange Akademiezeit war nicht nur kriegsbedingten Unterbrechungen geschuldet, sondern auch dem Umstand, dass der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Kretzschmar während der Ausbildung Atelierräume nutzen konnte und Stipendien erhielt. Lässig und dandyhaft hat der Maler den Freund in Szene gesetzt, die Konzentration auf den Dargestellten wird durch die reduzierte Farbpalette, das spärliche Bildinventar und den flächigen, monochrom abgestuften Hintergrund erreicht. Oskar Trepte (1890–1969) zog nach einer regen und vielversprechenden Ausstellungstätigkeit 1927 nach Süddeutschland, wo er als Lehrer wirkte. 1938 emigrierte er nach Chile und setzte seine Lehrtätigkeit in Santiago fort. Von Kretzschmar haben sich aus den Jahren 1915 bis 1920 nur wenige Bilder erhalten, da er 1921 eine „radikale Zertrümmerung alles Getanen“ vornahm: „neu angefangen“ (zit. nach Deutung des Daseins. Bernhard Kretzschmar [1889–1972]. Malerei, Grafik, Ausst.-Kat., Dresden, 2018, S. 158 f.). Rückblickend negierte er damit mehrheitlich seine expressionistisch geprägte Phase. Das Trepte-Porträt dürfte verschont geblieben sein, weil es das Zeugnis einer Freundschaft war und in seinen Anlagen Kretzschmars späteren künstlerischen Überzeugungen bereits recht nahekam. | Katharina Wippermann