Stillleben mit Muscheln
Objektbeschreibung
Zwei Keramikschalen und zwei Gläser, zwei Hyazinthen und zwei Meeresschnecken auf einem Tisch. Kriegel hat das Zusammenspiel der einerseits künstlichen und andererseits natürlichen Objekte auch zu einer Begegnung zweier gegensätzlicher Malstile gestaltet. Während der amorphe Gesamteindruck des Bildes, mit freiem, flüssigem Pinselstrich gemalt, an Oskar Kokoschka erinnert, dessen Meisterschüler Kriegel 1923 an der Dresdner Kunstakademie gewesen war, lassen die mit traumwandlerischem Geschick gesetzten hyperrealistischen Details (die weiße Hyazinthe im Wasserglas, die beiden Schneckenhäuser) an die altmeisterlich präzise Malerei seines Studienfreundes Otto Dix (vgl. etwa „Bildnis der Tänzerin Marianne Vogelsang“, A II 1046) denken. Sechs Jahre später wurde ein Gemälde Kriegels als „entartet“ erklärt, woraufhin sich der Künstler gänzlich auf die Feinhaarpinselmalerei verlegte. Durch eine 1940 entstandene Freundschaft ihrer Ehefrauen gelangte Kriegel in den Umkreis Joseph Goebbels’, der ihn 1941 in seinem Tagebuch als „Dürer unserer Zeit“ pries und dafür sorgte, dass Kriegel 1944 auf Adolf Hitlers Liste der „Gottbegnadeten“ erschien (vgl. Maximilian Haas, Die „Gottbegnadeten-Liste“ [BArch R 55/20252a], in: Juri Giannini u. a. [Hrsg.], Eine Institution zwischen Repräsentation und Macht, Wien 2014, S. 239–276). | Kyllikki Zacharias