Frühling
Objektbeschreibung
Mit dem Gemälde „Frühling“ variierte Heckel einen Holzschnitt der hügeligen Landschaft an der Flensburger Förde von 1913. Entstanden im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs während seiner Stationierung als Krankenpfleger im besetzten Belgien hatte es wie einige andere seiner Werke aus jener Zeit einen konkreten Zweck: Es diente zur Abdeckung einer Schifffahrtsreklame im Aufenthalts- und Verbandsraum des umfunktionierten Bahnhofs von Ostende. Bereits am 6. Dezember 1918, drei Wochen nach Heckels Rückkehr nach Berlin, debattierte die Ankaufskommission der Nationalgalerie über einen Erwerb. Trotz heftigen Widerspruchs des Historienmalers Arthur Kampf sowie des Berliner Unternehmers und Kunstmäzens Eduard Arnhold gelang es Direktor Ludwig Justi, „Frühling“ zu Beginn des Jahres 1919 dem Grundstock seiner Sammlung neuerer Kunst hinzuzufügen. Anfang 1933, als der Richtungsstreit darum, was eine neue deutsche Kunst sei, bereits in vollem Gange war, lobte Justi das Werk in der konservativ-deutschnationalen Zeitschrift „Deutsches Volkstum“ als „ein Gebet zur Schöpfung“ (Ludwig Justi, Volkstum und öffentliche Kunstsammlung, in: Deutsches Volkstum, 15. Jg. [1933], H. 1, S. 2). Den Expressionismus erklärte er für tot und stellte nun Heckels Malerei an das Ende einer mit den Meistern der hohen und späten Gotik begonnenen Entwicklung. „Frühling“ war bis zur Schließung der Neuen Abteilung im Kronprinzen-Palais im Oktober 1936 ausgestellt und entging im Sommer 1937 der Beschlagnahme – wie genau dies glückte, bleibt unklar. Auch die kriegsbedingte Auslagerung, bei der zahlreiche Werke Heckels verbrannten, überstand das Gemälde unbeschadet. | Aya Soika