Logo

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Auf Anregung seines Freundes Gordon Onslow Ford hatte sich Matta im Sommer 1938 der Malerei zugewandt. Mit den Fingern trug er Ölfarben auf die Leinwand auf, verwischte sie mit einem Lappen und arbeitete die so entstandenen „automatischen“ Formen mit dem Pinsel aus – eine Praxis, die er lange beibehielt. Die derart geschaffenen „psychologischen Morphologien“ bezeichnete Matta als „visuelle Entsprechungen zu den verschiedenen Bewusstseinszuständen“ (zit. nach Matta, Ausst.-Kat., München/Wien, 1991, S. 79); er sprach von Morphologien der Sehnsucht, der Angst oder des Schmerzes. „L’Année 1944“ malte er 1942 in New York. Warum sich Matta mit diesem Titel so überraschend konkret auf eine nahe Zukunft bezog, ist nicht überliefert. Der rotviolett durchflammte, grenzenlos wirkende Raum und die in oder vor ihm schwebenden Glassplitter vermitteln Vorstellungen von Blut, Fleisch und Gewalt. Zugleich verweisen sie auf Mattas Interesse an Marcel Duchamps „Großem Glas“ (1915–1923; Philadelphia Museum of Art), dessen (1927 als Transportschaden entstandene) Zersplitterung der Künstler zu einem Teil des Werkes gemacht hatte. Matta selbst schrieb: „Ich liebe das Geräusch von zerbrechendem Glas. […] Ja, auch in meinen Bildern erscheinen Glasscheiben und durchsichtige Flächen. Dies geschieht deshalb, weil mich das, was zwischen den Gegenständen existiert, was zwischen den Dingen vorgeht, mehr interessiert als der Gegenstand selbst. Glas symbolisiert eine Welt, die zugleich offen und geschlossen ist“ (zit. nach ebd., S. 56). | Kyllikki Zacharias