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Objektbeschreibung

Die Liebesgeschichte von Amor und Psyche, die durch das Märchen des antiken Dichters Apuleius überliefert und als Sinnbild gefährdeter und sich doch erfüllender Liebe von zeitloser Gültigkeit ist, inspirierte die Künstler zu immer neuen Bildfindungen: Psyche, die allnächtlich von ihrem Liebhaber Amor besucht wird, der jedoch seine Gestalt und seinen Namen nicht preisgibt, erliegt ihrer Neugier und nähert sich dem schlafenden Liebesgott Amor, um ihn mit Hilfe eines Öllämpchens zu betrachten. Durch eine Unachtsamkeit, die ihr im scheuen Eifer unterläuft, fällt ein Tropfen heißen Öls auf ihn, woraufhin er, jäh aufgeschreckt, entflieht. Dieser Teil der Geschichte verschlüsselt symbolisch die ewig gleiche Gefahr, die darin liegt, dass Liebende einander gar zu genau erkennen und begreifen wollen, die Gefahr der unwiderruflichen Entzauberung des anderen. Erst nachdem Psyche mehrere Proben bestanden hat und die Götter einwilligen, darf sie ihren Geliebten im Götterhimmel doch heiraten. Die geläuterte Liebe ist über die Stufe neugierigen Erkenntnishungers hinaus und mündet im dauernden Glück. Den Weg der Psyche in den Götterhimmel stellte Begas später mit Merkur und Psyche dar. Begas, der sich bald vom Klassizismus seines Lehrers Rauch löste und die Berliner Bildhauerschule – wie die Kritik spöttelte  –  »rauchfrei« machte, wählte für seine erste große eigenständige Marmorskulptur den dramatischen Höhepunkt der Liebesgeschichte, nämlich jenen Moment, da sich Psyche über den ruhenden Geliebten beugt. Die Komposition ist noch ganz in der Tradition klassizistischer Skulptur in sich geschlossen und durch ein breit gelagertes Dreieck, dessen oberste Spitze durch den Kopf der Psyche markiert wird, eingefasst, und sie baut sich über dem harmonischen Oval der Plinthe auf – auch dies in klassizistischer Tradition. Die Behandlung der Oberfläche wie der Einzelformen zeigt aber schon Begas’ Abkehr von der Strenge des Details und der Linien und seine Hinführung zu einer weichen, malerischen Modellierung, wie sie bald für den Neubarock charakteristisch wurde. Das Modell war 1854 erstmals ausgestellt, den Marmor führte Begas auf Bestellung des Kölner Kommerzienrats von Oppenheim in Rom in der Werkstatt Emil Wolffs aus. | Bernhard Maaz