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Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (III)


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Objektbeschreibung

Der Werkkomplex der „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze“ umfasst sieben Gemälde, darüber hinaus zahlreiche Kreidelithografien und Zeichnungen der Jahre 1965 bis 1967. Anhand der prototypischen Gestalt des deutschen Richters („Schulze“ ist dem lat. „scolteto“, Richter, entlehnt) setzt sich Tübke mit dem in nationalsozialistischem Geist begangenen Unrecht auseinander. Das Bild der Nationalgalerie ist das dritte der Serie und ist in seiner besonderen Gestaltung richtungsweisend für den späteren, an den altdeutschen Meistern und italienischen Manieristen geschulten Stil Tübkes. Im Zentrum sitzt überlebensgroß die Figur des Dr. Schulze als entmenschte, hohle Richter-Marionette, mühsam aufrecht gehalten durch Seile in einem „Bollwerk“, das die scheinheilige Idylle schützt, aus der er zu kommen vermeint. Rechts öffnet sich eine Parklandschaft mit Hirschjagd, dahinter ein Hochgebirge, in das Eindrücke Tübkes vom Kaukasus eingeflossen sind. Links hinter der Richter-Figur staut sich das Pandämonium der Folgen ihrer Unrecht-Sprechung: Geschundene, Gefangene, Ermordete; Gräber, Gedenkstätten, die Schlafregale eines Konzentrationslagers, Straßenszenen. Über einer brennenden Stadt schwebt ein Engel, in giftigen Farben schillernd, unter einem dunklen Wolkenwirbel, der bedrohlich nach rechts in die Schein-Idylle übergreift. Der Bildraum wird so zum allegorisch-fantastischen Welttheater. | Oliver Seifert