Gruppenbildnis Günther Francke, Paul Ferdinand Schmidt und Karl Nierendorf
Objektbeschreibung
Seit 1920 vertrat auch der Kölner Galerist Karl Nierendorf Dix. Wenngleich ihre Beziehung nicht ganz unkompliziert war, schätzten Künstler und Händler sich gegenseitig sehr und schlossen 1922 einen Alleinvertretungsvertrag ab: Nierendorf erhielt das Recht, die Bilder von Dix als Erster öffentlich zu präsentieren. Im Gegenzug sicherte der Kunsthändler dem Maler regelmäßige Zuwendungen zu, eventuell auch über die Verkaufserlöse hinaus. Aufgrund der engen Beziehung erhielt der Galerist den Spitznamen Nierendix. 1923 übernahm Nierendorf die Galerie von J. B. Neumann in Berlin. Dorthin reiste Dix wohl im Oktober desselben Jahres für einen Porträtauftrag. Aufgrund der rasanten Inflation in dieser Zeit kam das Bildnis jedoch nicht zustande. An seine Frau Martha schrieb der Künstler: „Mit dem Porträtauftrag wurde infolge der kolossalen Preissteigerung nichts. – Ich male seit[her] im Graphischen Kabinett Franke und Nierendorf auf ein Bild. Nierendorf bezahlt mir trotzdem Wohnung, Essen und pro Tag 5 Dollar“ (Otto Dix, Briefe, Köln 2013, S. 75.) Das so entstandene Gruppenbildnis zeigt links Nierendorf (1889–1947) und rechts seinen Assistenten Günther Franke (1900–1976). In ihrer Mitte befindet sich Paul Ferdinand Schmidt (1878–1955), der Direktor des Dresdner Stadtmuseums. Auffallend ist, dass Dix nur die Köpfe der Personen in karikierender Weise dargestellt hat, eine Wirkung, die durch die Platzierung von außereuropäischen Masken im Hintergrund noch gesteigert wird. | Sven Beckstette