Ackerstraße
Objektbeschreibung
Heldt, der als Maler elegischer Ansichten menschenleerer Straßen bekannt geworden ist, hat seine ersten Werke, noch als Schüler, mit Bezug auf Berliner Bildtraditionen geschaffen. Sie zeigen meist skurrile, illustrativ-stilisierte Szenen des sogenannten Alt-Berliner Lebens. Für den als Sohn eines Pfarrers der Parochialkirche im ältesten Viertel der Stadt aufgewachsenen Künstler wandelte sich zwar das Verhältnis zu den Eindrücken, die er als Jugendlicher beim Herumstreifen durch die Straßen und Gassen empfangen hatte, in den folgenden Jahrzehnten, trotzdem blieben diese immer gleich lebendig. Seine ersten Motive fand Heldt wiedererkennbar im Umkreis der elterlichen Wohnung in der Klosterstraße. Das früheste der überlieferten Werke, „Ackerstraße“ (NG 10/72), zeigt einen beleibten Müßiggänger, dem hinter der Hausecke ein Ganove auflauert. Zwar verweist das Straßenschild auf die damals verrufene Rosenthaler Vorstadt mit der Ackerstraße, aber diese ist nicht dargestellt: In der Ferne sieht man die Doppelturmfassade der Nikolaikirche und den Turm des Roten Rathauses. Ein anderes der Jugendbilder, die „Ballszene“ (NG 11/72), gibt einen sich exponierenden Sänger im Frack inmitten einer Kapelle mit monströsen Blasinstrumenten wieder, in einem Gewölbesaal, wie man ihn in der näheren Umgebung mehrfach finden konnte, etwa im Gebäude des Rathauses. Die noch ganz dilettantische Malerei ist in gedämpfter Farbigkeit ausgeführt. | Angelika Wesenberg