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Kriegsblinder Verso: Landschaft


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Objektbeschreibung

Die Folgen des Ersten Weltkriegs für den Einzelnen fanden auch in der Kunst ihren Ausdruck, vornehmlich durch drastische Darstellungen versehrter Kriegsheimkehrer. Strempels späte Bearbeitung des Themas steht unverkennbar in dieser Tradition, zu deren Ikonen die Invalidenbilder von George Grosz oder Otto Dix’ „Streichholzhändler“ (1920; Staatsgalerie Stuttgart) zählen. Den Kopf in einen Verband, den Körper in einen ärmlichen Mantel gehüllt, läuft der „Kriegsblinde“ eine verschneite nächtliche Straße entlang, direkt auf die Betrachter:innen zu. Vor sich umklammert er eine Tasche oder ein Kästchen, möglicherweise mit einem kargen Warenangebot, den letzten Habseligkeiten oder den Betteleinkünften des Tages. Dass sein Gesicht die Assoziation an einen Totenkopf weckt, unterstreicht die Trost- und Ausweglosigkeit seiner Lage und Herkunft und verleiht der Figur in der Düsternis eine fast bedrohliche Wirkung. Die skizzenhafte Darstellung des Blinden ähnelt früheren Arbeiten des Künstlers zu verwandten Themen (etwa „Musizierender Kriegskrüppel mit Frau und Kind“, 1932; Standort unbekannt), die typische Ausdruckform seiner Figuren in späteren Bildern hingegen lässt sich lediglich erahnen. Auf der Rückseite ist eine Szene zu sehen, die kaum gegensätzlicher sein könnte: eine Landschaft in hellen Farben mit Bäumen, die idyllisch ein Flussufer säumen. Diese Darstellung ist unsigniert; möglicherweise stammt sie nicht von Strempel. | Sven Haase