Concetta
Objektbeschreibung
Mit ruhiger Miene und verschränkten Beinen sitzt die junge Italienerin, die den Namen „Concetta“, die Himmlische, erhielt, auf dem Boden. Die Sitzfigur ohne Sockel umschreibt die Form eines Dreiecks und gliedert sich durch senkrechte, waagerechte und diagonale Linien. Es ist ein geschützter Raum, aus dem der rechte Arm hinaus in die Welt der Betrachter:innen reicht. Er öffnet die Ansicht und lädt dazu ein, der Linie zu folgen. Die „Concetta“ ist die wohl wichtigste Plastik im Frühwerk Grzimeks. Der Bildhauer schuf sie 1942 in Rom, wo er sich nach Erhalt des Rom-Preises der Preußischen Akademie der Künste für acht Monate in der Villa Massimo aufhielt. Zeitgleich entstand nach demselben Modell ein „Porträtkopf Junge Italienerin“. Besonders an der „Concetta“ aber ist, dass an ihr nachvollziehbar wird, wie Grzimek anfing, mit der Form zu experimentieren und das Raumgreifende zu erforschen. Bereits als Kind hatte er Tiere im Berliner Zoo modelliert, sodass der Bildhauer Richard Scheibe auf ihn aufmerksam wurde. Dieser motivierte den Autodidakten, bei Wilhelm Gerstel zu studieren, dessen Meisterschüler er an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin wurde. Bekanntschaften mit Hugo Lederer, Gerhard Marcks, Gustav Seitz und Fritz Cremer prägten mitunter das Werk Grzimeks. So wird bei der „Concetta“ nicht nur ein bei Gerstel geschulter methodischer Umgang sichtbar, sondern auch eine Nähe zu Marcks sowie zur frühgriechischen Skulptur. Nach dem Ende des Krieges war Grzimek in der Lehre tätig und setzte sich wissenschaftlich mit der Bildhauerei auseinander. Als Künstler wurde er vor allem in der DDR sehr geschätzt. | Johanna Yeats