Junger Schakal Verso: Schaubude
Objektbeschreibung
1937 wurden auch Arbeiten Hegenbarths aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, von ihrer Einbindung in die Schandausstellungen „Entartete Kunst“ blieb er verschont. Um weiteren Restriktionen zu entgehen, konzentrierte sich Hegenbarth fortan ganz auf Tierdarstellungen, ohne die bildnerische Konfrontation mit den menschlichen Betrachtern. Als Maler von Tieren, wenngleich er diese so überscharf charakterisierte wie vordem Personen, blieb er relativ unbehelligt und konnte weiterhin an Ausstellungen teilnehmen. Für die Wiedergabe der intensiv beobachteten Tiere hatte Hegenbarth eine eigene Technik entwickelt und perfektionierte sie fortwährend: Die eher trockene, oft krümelige Farbpaste ist pastos aufgetragen, mit hartem, abgenutztem Pinsel verrieben und erst auf dem Bild zu einer schrundigen, vielfarbigen Oberfläche vermischt. Oft verwendete der Künstler eingeritzte Linien, zur Anlage des Motivs auf dem Untergrund oder, deutlicher sichtbar, am Arbeitsende zur Betonung von Details, der Barthaare etwa. Zwei dieser eindrücklichen Studien konnte die Nationalgalerie (Ost) 1970 von Johanna Hegenbarth, der Witwe des Künstlers, erwerben: Eines der „Maultiere“ (A IV 255) stellte Hegenbarth ruhig grasend auf gelber Erdkruste mit sparsamem Grün dar, vor einem verhangenen dunkelblauen Himmel. Bildbestimmend ist hier der charakteristische Kontur. Die Rückseite zeigt eine Studie mit Felsbrocken und Gebüsch. Dem „Jungen Schakal“ (A IV 254) dagegen, offensichtlich in seinem Käfig beobachtet, sehen wir bei scheinbarer Verspieltheit eine lauernde Aggressivität an. Farblich verbindet sich das gefangene Tier mit dem Hintergrund, nur der Kopf mit dem geöffneten Maul hebt sich ab. Auf der Rückseite dieser Studie sieht man eine wartende Menschenmenge vor einer Schaubude. | Angelika Wesenberg