Rotation I
Objektbeschreibung
In ihren plastischen Werken arbeitete Sax häufig mit der Spannung zwischen geschlossenen und sich öffnenden Elementen. So bildet ein Zylinder die Basis für eine „Rotation“. Aus dieser festen Rundform entwickeln sich vier kreisförmig nach oben schwingende Vierkantbalken. Diese wirken wie die Gebärde eines Menschen im Wintermantel, der die Arme um Hals und Kopf schlingt. Sowohl in der Formensprache als auch in der anthropomorphen Anmutung ist eine deutliche Verwandtschaft zu den Werken des spanischen Bildhauers Eduardo Chillida zu erkennen, etwa zu dessen abstrahierter Kriegerfigur „Gudari“ von 1974/75 (B 1117). Die in zwei Exemplaren ausgeführte Kleinbronze „Rotation I“ hatte Sax als freie Arbeit begonnen, sie wurde dann zu einem Direktauftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) für die Ausführung als 275 Zentimeter hohe Großplastik. Die Berliner Gießerei Noack stellte die vergrößerte Fassung im Mai 1974 fertig. Anlässlich der damals in der Neuen Nationalgalerie stattfindenden Ausstellung von Ursula Sax, Horst Hirsig und Gerd van Dülmen konnte „Rotation“ vorübergehend auf der Skulpturenterrasse des Gebäudes installiert werden. Anschließend wurde das Werk zu seinem eigentlichen Bestimmungsort nach Mainz transportiert, wo es vor dem neuen Sendezentrum des ZDF auf dem Lerchenberg aufgestellt wurde. Sax beteiligte sich häufig mit Erfolg an Wettbewerben zu Kunst am Bau, und sie schuf zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum, etwa einen Brunnen vor dem neuen Rathaus in Berlin-Zehlendorf 1974. | Dieter Scholz