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Sitzendes Mädchen


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Objektbeschreibung

Pechstein gehörte von 1906 bis 1912 der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke an. Nach seiner Rückkehr aus Paris im Sommer 1908 lebte er in Berlin und sah seine Künstlerkollegen eher selten; im Sommer 1910 aber verbrachte er viel Zeit mit Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner. Bereits im Juni malte er mit Heckel in Dangast am Jadebusen. Die kollektive Arbeit setzte er von Mitte Juli bis Ende August 1910 (und nur in diesem Jahr) für rund sechs Wochen an den Teichen unweit des Jagdschlosses Moritzburg bei Dresden fort, nun war auch Kirchner mit von der Partie. Jener Aufenthalt stellte für Pechstein eine vergleichsweise kurze Phase der intensiven künstlerischen Zusammenarbeit dar, während der er sich der skizzenhaften Malweise seiner beiden Kollegen annäherte. Zugleich orientierte er sich in einigen der Moritzburg-Gemälde weiterhin an den französischen Vorbildern, die sein Schaffen in diesen Jahren prägten: Der Einfluss von Henri Matisse kommt in keinem seiner Werke jener Wochen so stark zum Ausdruck wie im Rückenakt „Sitzendes Mädchen“. Dabei kann sein Modell, Franziska (Fränzi) Fehrmann (1900–1950), kaum der dargestellten Figur entsprochen haben; auf motivverwandten Skizzen hat Pechstein ihre kindlichen Formen beibehalten. Der Maler verfremdete Figur und Physiognomie der Neunjährigen bewusst zu einem klassisch anmutenden weiblichen Rückenakt. Zur Beurteilung des Umgangs der Brücke-Maler mit dem jungen Mädchen und den künstlerischen Darstellungen Fränzis – die in erster Linie Heckel und Kirchner betreffen – existiert seit Jahrzehnten eine kontrovers geführte Debatte, die unter anderem ethisch-moralische Fragen aufwirft. | Aya Soika