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Objektbeschreibung

Das Gemälde wurde im Oktober 1966 vollendet und entstand somit später als das ebenfalls 1966 datierte Bild „Sonnenblumen“ (A IV 116). Der „Sitzende Akt“ ist ein Resultat des Studiums der Werke Paul Cézannes. Was bei ihm „zu lernen war, ist darin verarbeitet“ (Ateliergespräch mit dem Verfasser am 13.12.2022). Der mit der „Akademie Cézanne“ gewonnene Kunstbegriff Metzkes’ misst als ästhetische und ethische Fragestellung seinen programmatischen Ausgangspunkt „Natur und Auge“ an der Möglichkeit einer „dauernden Rekonstruktion des Bildes der Welt in all ihren Gegenständen“ (Harald Metzkes, in: Ausst.-Kat., Berlin [Ost], 1975). Das Gemälde „Sitzender Akt“ ist dem verpflichtet: Die annähernd lebensgroße Figur wird gänzlich frontal gegeben. Ein relativ großer Bildraum, der sich aus dem fast quadratischen Format ergibt, zeigt keine identifizierbare Dingwelt. Er ist im Grunde abstrakt gestaltet, verdämmert im Ungewissen, während die Erscheinung des Aktes darin erstrahlt. Der so geschaffene Raum ist wirklich illusionär. Es ist der „Raum“ der Malerei, die ihn in rhythmisch geordneten Farbfeldern gebaut und als Malerei definiert hat. Raum und Figur, Hell und Dunkel, alle Farbwerte bedingen einander im Sinne einer strukturellen Ganzheit der Bildfläche. Gezeigt wird nicht das Abbild eines Modells, sondern eine durchlebte und existenziell empfundene Grundsituation menschlichen Seins, indem die Statuarik der dargestellten Figur in Haltung und Proportion aufgehoben, diese aber in und vermittels der statuarischen Proportionen des Bildraumes gehalten ist. Das Verhältnis von Stabilität und Instabilität ist die den Sinn und Gehalt der Darstellung tragende und einlösende Gestalt. Metzkes erkannte und fand hier, wie in anderen Werken der 1960er-Jahre, nicht ein Motiv, sondern Formulierungen für das Dasein im Bereich „urwüchsiger, unintellektueller Zuständlichkeit“ (Günter Feist, „Harald Metzkes“, in: Weggefährten. 25 Künstler der DDR, Dresden 1970, S. 247). | Jörg Makarinus