Der Sommer
Objektbeschreibung
In den 1930er-Jahren hatte Lingner begonnen, in seinen Werken formelhafte Bildtypen zu entwickeln, was sicher auch von seiner Arbeit als Pressezeichner herrührte. Diese Bildtypen variierte, adaptierte und kombinierte er. Auch die frontal den Betrachter:innen entgegenschreitende Gruppe hat Lingner in seinen Zeichnungen und Gemälden immer wieder genutzt. So bewegen sich auf dem in hellen Ockertönen gemalten Bild „Der Sommer“ mehrere Frauen und Männer mit Sensen, Harken und einer Sichel bestückt selbstbewusst auf die Betrachter:innen zu. Sie scheinen von der Feldarbeit zu kommen. Die Frauen tragen weiße Kleider und Kopftücher, die Männer weite Hosen, Hemden und Mützen. Den Bildtypus der heranschreitenden Gruppe verwendete Lingner zudem für die großformatigen Dekorationen, die er für die ab 1945 wieder stattfindenden jährlichen Pressefeste der kommunistischen Zeitung „L’Humanité“ schuf. Erste Gestaltungen für Feste hatte er bereits 1937/1938 entworfen, und auch nach seiner Rückkehr in den Osten Deutschlands 1949 fertigte er großformatige Werke für den öffentlichen Raum an, etwa das Großtransparent „Aufbau in Deutschland“, das zum 1. Mai 1950 am Alten Museum in Berlin angebracht wurde (Vgl. Thomas Flierl [Hrsg.]: Max Lingner. Das Spätwerk 1949-1959, Berlin 2013, S. 64, Abb. 17). | Maike Steinkamp