Beharrlichkeit des Vergessens
Objektbeschreibung
Das Gemälde zeigt einen schreienden Kriegsversehrten mit einer Armprothese und Beinstümpfen, der wie eine Marionette in der Hand eines unsichtbaren Spielers in der Mitte des Bildraums schwebt. Bei näherem Hinsehen scheint er auf der roten Nazi-Flagge mit dem Hakenkreuz wie auf einer Hängematte zu liegen, in Betrachtung des Eisernen Kreuzes. Den Landser umgeben von links nach rechts ein Filmstreifen mit rot geschminkten Mündern und einer Batterie von Lautsprechern darüber, Motive, die für die Manipulation durch die Massenmedien stehen. Davor schiebt sich ein Gemälde, das als Mitteltafel des Triptychons „Der Krieg“ (1929–1932) von Otto Dix zu identifizieren ist, als Verweis auf den Ersten Weltkrieg (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister). Die Standuhr zeigt auf fünf nach zwölf, ein Sinnbild für Ewiggestrige, deren Zeit abgelaufen ist. Es folgen am rechten Rand drei hintereinander gestaffelte Szenarien mit Liebespaaren und einer Mordhandlung, darunter Köpfe hinter Gittern. Davor spielt ein Narr mit roter Schellenkappe auf dem Helikon, einer Kontrabasstuba. Hinter dem Rücken dieser Figur drängen sich ein Frauenkopf sowie zwei Soldaten, die sich gegenseitig würgen. Vor dem Dix-Gemälde liegt auf dem Boden hingestreckt ein toter Soldat. Sein rechter Arm weist auf den Kopf eines im Morast versinkenden Infanteristen mit aufgerissenem Mund. Mit dem Zitat „Wir sind doch alle Brüder und Schwestern“ auf dem Banner, das sich durchs Bild zieht, bezieht sich Heisig auf die SED-Propaganda, derzufolge westdeutsche Politiker beschönigend von der Einigung Deutschlands sprachen, dabei in Wirklichkeit aber eine revanchistische und militaristische Haltung vertraten. | Eckhart J. Gillen