Gruppe Natur
Objektbeschreibung
1918 wurde Belling durch den Berliner Galeristen und Verleger Wolfgang Gurlitt mit einem Werk für die Durchfahrt zu seiner Villa beauftragt. Durch den Standort vor der Wand konnte der Bildhauer sein Ideal einer Rundplastik nicht voll verwirklichen. Er löste das Problem, indem er die wie eine indische Tänzerin erscheinende Allegorie der Natur mit barockem Schwung durch eine Spiralform umspielte. Diese sich hinaufschraubende Bewegung reicht von Adam und Eva zu Füßen der weiblichen Aktfigur über eine Kette aus vier Säuglingen vor ihrem Unterleib bis hin zu einer Blume zwischen ihren Händen. Zwei Entwürfe zu dem nicht erhaltenen Auftragswerk „Große Gruppe Natur“ werden in der Sammlung Sander (Darmstadt) und der Nationalgalerie aufbewahrt. Die Farbgebung der Plastik (die große Fassung war außerdem mit farbigen Steinen geschmückt) konzipierte der Maler und Bühnenbildner Cesar Klein, der die Durchfahrt der Villa Gurlitt auch mit Pflanzenmotiven ausgemalt hatte. Eine der beiden erhaltenen Skulpturen war in Bellings Wohnung über dem Bett installiert, wobei der Sockel – wie in der großen Version – um 45 Grad gedreht war, um die Dynamik im Raum zu steigern. Darüber schrieb Belling 1921: „Um das allzu Reliefmäßige in der Plastik etwas aufzuheben, habe ich das rechte Bein der segnenden Natur stark vorgeholt als äußersten Punkt, und dann von dort nach hinten, beinahe rechtwinklig, die beiden Seitenfiguren Adam und Eva als Flächen gezogen. Der Grundriß des Sockels betont das dann noch einmal. Viel Freude hat mir der Kopf zwischen dem Kranz der Arme und der Blume gemacht, diese Durchbrüche!“ (zit. nach Genius, 3. Jg. [1921], S. 12). | Dieter Scholz