Berlin Block for Charlie Chaplin
Objektbeschreibung
Als spezifisch für den Ort entworfene Skulptur wurde Serras „Berlin Block for Charlie Chaplin“ ein Jahr nach Entstehung unmittelbar neben der Neuen Nationalgalerie aufgestellt. Es handelt sich um eine aus Eisen geschmiedete Skulptur, die beinahe einem Kubus gleicht – beinahe, weil Serra eine leichte Neigung der Form vorgesehen hat, sodass sie auf einer Seite wenige Zentimeter in den Boden zu sinken scheint. Diese fast unmerkliche Absenkung direkt neben der aus Stahl und Glas bestehenden, geradlinigen Architektur von Ludwig Mies van der Rohe lässt eine Spannung zwischen Skulptur und Ort entstehen, die für Serras Werk exemplarisch ist. Während die Neue Nationalgalerie – entworfen als Monument des fortschrittlichen West-Berlin – Erhabenheit ausstrahlt, streng orthogonal und austariert, ist Serras Arbeit ein intransparenter „Block“, der rund 70 Tonnen wiegt und bewusst ein Kippmoment enthält. Es ist eine Antwort auf den Monumentalitäts- und Ewigkeitsanspruch von Architektur und Kunst oder vielmehr eine Infragestellung dessen. Der Titel betont auf inhaltlicher Ebene das Augenzwinkern, Hinterfragen, „Anecken“. Der Verweis auf Chaplin lässt allerdings im Weiteren genauso an dessen berühmte Parodie von Adolf Hitler in dem Film „Der große Diktator“ (1940) denken und damit an die Verstrickungen von Kunst und Architektur mit der Macht, nicht nur während des Nationalsozialismus. | Kristina Schrei