Kind und Eltern
Objektbeschreibung
Ein Kind steht vor einem großen, runden Tisch, auf dessen Oberfläche ein Lichtstrahl ein gleichseitiges Dreieck wirft, dessen Spitze auf das Kind weist. Der Lichtschein fällt durch eine leicht geöffnete Tür, beleuchtet dabei auch das Kind und lässt zwei weitere Gestalten in dem dunklen Raum erkennen. Vorne links sitzt der Vater mit dem Rücken zum/zur Betrachter*in, rechts die Mutter mit dem Rücken zum Kind, aber auch mit von den Betrachtenden abgewandtem Gesicht. Die Eltern stützen jeweils einen Ellenbogen auf den Tisch und scheinen einander bewusst zu ignorieren, vielleicht weil sie mitten in einem beunruhigenden Gespräch unterbrochen wurden Als „Kind und Eltern“ 1977 zunächst auf der „Kunstausstellung der Hauptstadt“ am Fernsehturm in Berlin und anschließend auf der 8. „Kunstausstellung der DDR“ in Dresden gezeigt wurde, löste es eine lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit und zahlreiche Artikel in der Presse aus. Von besonderem Interesse war die Dynamik zwischen den drei Figuren, die als Spiegel der Herausforderungen gesehen wurden, mit denen viele Familien in der DDR konfrontiert waren: Angesichts der garantierten Erwerbstätigkeit waren viele Frauen nicht bereit, unglückliche Ehen aufrechtzuerhalten, und die Scheidungsrate war hoch. Mit diesem Bild, dem dritten, das Hegewald seit dem Abschluss ihres Studiums als Meisterschülerin von Werner Klemke an der Akademie der Künste (1971–1974) ausstellte, wurde die 41-Jährige als Malerin überregional bekannt. Das Familienleben, insbesondere die Mutter-Kind-Beziehung (siehe auch „Chile, 11. September 1973“, 1973; Kunstarchiv Beeskow), ist ein wiederkehrendes Thema in ihrem Werk. | April Eisman