Kind im Steckkissen
Objektbeschreibung
Bilder von Kindern durchziehen das gesamte Werk von Dix. Neben sozialkritisch aufgeladenen Typenporträts wie den verschiedenen „Arbeiterjungen“ (seit 1914) und Mutter-Kind-Darstellungen spielen dabei vor allem die eigenen Kinder Nelly, Ursus und Jan, Enkelin Bettina sowie die außereheliche Tochter Katharina König eine wichtige Rolle. Auch Säuglingen hat der Künstler immer wieder Gemälde gewidmet, so mit dem Nelly-Bild „Kind im Arm“ (1922; Otto Dix Stiftung, Vaduz), den fünf Werken, die er 1927 nach der Geburt des Sohnes Ursus malte wie „Ursus im Steckkissen“ (wohl Privatbesitz), sowie „Bettina im Korb“ (1950) und „Sitzende Frau mit Kind“ (1959; beide Otto Dix Stiftung, Vaduz). Dazwischen liegt die Entstehung von „Kind im Steckkissen“. Welchen Säugling Dix darin wiedergegeben hat, ist nicht bekannt. Im selben Jahr malte er die thematischen verwandten Bilder „Stillende Mutter“ (wohl Privatbesitz, New York) sowie „Mutter und Kind“ (Sabarsky Collection, New York), sodass sich hier eine motivische Verbindung ziehen ließe. Allerdings ist der Karton des Bildes (Verbleib unbekannt, WVZ I.E. 2.2.4) auf 1930 datiert, für Dix eine ungewöhnliche zeitliche Differenz zwischen Konzeption und Ausführung. Der Säugling liegt diagonal im Bild und nimmt gerade etwa die Hälfte der Fläche ein. Vor einem dunklen Hintergrund ruht er unter einer weißlichen Decke auf einem gleichfarbigen Kissen. Das Kind ist in einen übergroß aussehenden Anzug eingepackt, durch den seine Hände viel zu klein aussehen. Sein trüber Blick starrt nach oben ins Leere, der Mund ist zu einem leichten Lächeln geöffnet. | Sven Beckstette