Blick auf Saint-Malo
Objektbeschreibung
Zusammen mit Olga, seiner Frau, und dem eineinhalbjährigen Sohn Paulo verbrachte Picasso den Sommer 1922 in Dinard an der bretonischen Küste. Der Blick auf Saint-Malo zeigt den Ort an der Meeresbucht. Mit wenigen lockeren Strichen hat Picasso ein charakteristisches Bild dieser durch kleinere Felsbuchten gegliederten, letztlich jedoch domestizierten Küste gezeichnet. Das Meer mit den Segelschiffen wirkt sonntäglich gezähmt. Allein die im Vordergrund angedeuteten Bäume verraten eine gewisse Aufgeregtheit. Das Blatt war vielleicht Teil eines Skizzenbuches, zu dem neben vier weiteren Landschaftsszenen auch Studien von Olga und Paulo gehörten. Es stellte eine erste Erkundung der neuen Umgebung dar, bevor sich Picasso während dieses Sommers mit dem großen Gemälde „La Course“, heute im Pariser Musée Picasso, beschäftigte. Die beiden dort wie Mänaden über den Strand laufenden Frauen erschließen uns plötzlich einen ganz anderen, kruden Aspekt der bretonischen Landschaft, die den Künstler zu dieser „mythischen“ Szene inspiriert haben kann, die allerdings auch auf Anregungen pompejanischer Wandmalereien und Fresken Raffaels (1483–1520) zurückgehen, die Picasso noch von einer Reise nach Italien mit den „Ballets Russes“ 1917 im Gedächtnis haben mochte. | Angela Schneider