Torso mit Tuch
Objektbeschreibung
Obwohl Makolies an offiziellen Ausstellungen teilnahm, öffentliche Aufträge erhielt und seine Arbeiten zu DDR-Zeiten verkaufen konnte, galt er als Außenseiter im Kunstsystem der DDR. In seinen Plastiken erprobt er anhand verschiedenster Materialien Sujets im Spannungsfeld zwischen archaischem Orientalismus und christlicher Ikonografie, Erotik und Fetisch – häufig ist der weibliche Körper Bildgegenstand. Geprägt von der der antiken Kunst der Griechen, Sumerer und Ägypter, lässt sich der gelernte Steinmetz von seinem Material leiten. Vor allem ab den 1980er-Jahren steht bei Makolies die Beschäftigung mit dem weiblichen Torso im Vordergrund. Unzählige namenslose Frauentorsi alternieren mit biblischen Figuren wie Judith, seinem bevorzugten Motiv, meist mit dem Haupt des Holofernes. Die weiße Marmorskulptur „Torso mit Tuch“ zeigt einen Frauentorso, dessen Geschlecht mit einem Tuch verhüllt ist. Die Plastizität des Bauches wird durch markante Hautfalten verstärkt, auch die Brüste sind deutlich betont und stehen in ihrer makellosen Glätte im Kontrast zu den Falten eines weiteren Tuches, das sich um den Halsansatz und die rechte Schulter spannt. Besonders ab den 1980er-Jahren ist bei Makolies eine nahezu fetischisierende Auseinandersetzung mit weiblichen Brüsten zu beobachten. | Lola Inó Schönherr