Jaguar
Objektbeschreibung
Der Jaguar, auch als „Fauchender Jaguar“ bekannt, steht exemplarisch für das Werk Harths. Hatte der Bildhauer sich zunächst mit der menschlichen Figur beschäftigt, wandte er sich 1926/1927 fast ausschließlich der Tierplastik zu. Der Werdegang Harths ist unsystematisch. So faszinierte den gelernten Steinmetz anfänglich die Architektur, ehe er sich von 1903 bis 1906 an der Kunstgewerbeschule in Mainz zum Bildhauer ausbilden ließ. Anschließend studierte er an den Kunstakademien in Karlsruhe und München. Als Lehrender war er danach an verschiedenen Kunsthochschulen in ganz Deutschland tätig. Zugleich wirkte er von 1926 bis 1933 als freischaffender Künstler in Schwaz in Tirol. Dort entstand auch der „Jaguar“. Besonders an der lebensgroßen Skulptur ist, dass sie ohne Modell frei aus einem Stück Nussbaum gefertigt wurde. Ähnlich wie Renée Sintenis oder Gerhard Marcks gestaltete Harth seine Werke aus der Erinnerung heraus, um sich vor übermäßigem Naturalismus zu schützen. Es dauerte mitunter lange, bis er das Typische verinnerlicht hatte und das Objekt vor seinem inneren Auge Gestalt annahm. Erst dieses Extrakt übersetzte er in ein passendes Material. Das maßgebliche Charakteristikum des Jaguars findet sich in der klaren Form und der einfachen Linie, die vom Kopf über den hohen Buckel verläuft und der Verdrehung des Körpers folgt. Vorder- und Hinterläufe des Raubtiers stehen fast in einem rechten Winkel zueinander. Die Schönheit des Körpers zeigt sich in der Glätte des Materials und durch die Reflexion des Lichts. | Johanna Yeats