Dorfhaus mit Weiden
Objektbeschreibung
Von 1907 bis 1912 verbrachte Schmidt-Rottluff die Sommerwochen zunächst im norddeutschen Dangastermoor, später im Nordseebad Dangast. Die Farbigkeit seiner Werke ist im Vergleich zu früheren Bildern (vgl. „Kauernder Akt“, B 514) dunkler und schwerer geworden, Rot-Grün-Kontraste in Verbindung mit Blau und Gelb gewinnen an Bedeutung. Noch immer verschwinden die dargestellten Objekte leicht in dem Gespinst aus pastosen Flecken, die kurzen Pinselhiebe gleichen die wiedergegebenen Materialien – Gras, Sand, Stein – einander an. Die Farbmaterie hat eine eigene Wertigkeit, der Pinselduktus folgt einem eigenen Rhythmus. Nur der in die Tiefe führende rote Weg verweist in dem Bild „Dorfhaus mit Weiden“ auf Räumlichkeit. Von dem Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler fühlte sich der junge Schmidt-Rottluff in dieser Phase verstanden: „Rhythmisierung – für das Wort bin ich Ihnen besonders dankbar. Der Rhythmus, das Rauschen der Farben, das ist das, was mich immer bannt und beschäftigt“ (Brief vom Mai 1907, in: Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907–1912, Mainz 1995, S. 119). Das 1973 aus dem Besitz der Chemnitzer Familie des Künstlers in die Nationalgalerie (Ost) gelangte Bild könnte mit einem der 1907 entstandenen Gemälde „Gehöft im Grünen“ oder „Rotes Haus“, wie die beiden aus Privatbesitz 1928 in der Kunsthütte Chemnitz ausgestellten Werke benannt waren, identisch sein (WVZ Grohmann 1956, S. 282). | Angelika Wesenberg